Echoes of Neverland

Grammatik

Inhalt

1 Satzbau

Aldrín stellt das Verb ans Ende des Satzes. Die Reihenfolge lautet Subjekt – Objekt – Verb: Wer „Der Greif sieht den Wind“ sagen will, sagt gewissermaßen „Der Greif den Wind sieht“.

Der Aussagesatz

DeutschAldrín
Der Greif schläft.Thar Aegyr lhevna.
Der Wind kommt.Thar Thyrin dovna.
Der Greif sieht den Wind.Thar Aegyr thar Thyrin nirka.
Der Wind sieht den Greifen.Thar Thyrin thar Aegyr nirka.
Das Kind ruft den Greifen.Tha Kynth thar Aegyr halev.

Der Artikel bleibt gleich, ob ein Wort Subjekt oder Objekt ist. Die Reihenfolge zeigt, wer wen sieht: Wer zuerst steht, handelt.

Präpositionen

Präpositionen stehen vor dem Nomen und damit weit vor dem Verb.

DeutschAldrín
Der Greif läuft über das Meer.Thar Aegyr kerún tha læthia orva.
Der Greif wartet mit dem Kind.Thar Aegyr mae tha Kynth bira.
Das Kind schläft ohne den Greifen.Tha Kynth nomae thar Aegyr lhevna.
Das Kind läuft in die Welt.Tha Kynth ni thy Velornis orva.
Der Greif ruht auf dem Meer.Thar Aegyr thuvi tha læthia lhila.
Der Wind kommt von dem Meer.Thar Thyrin thron tha læthia dovna.

Der Befehl

Im Befehl steht das Verb vorn, und das Subjekt fällt weg. Das Verb hat keine eigene Befehlsform: Es rückt selbst an den Anfang.

DeutschAldrín
Sieh den Wind!Nirka thar Thyrin!
Ruf den Greifen!Halev thar Aegyr!
Erweck sie!Sker se!
Steh auf!Raela!
Warte!Bira!
Zähl!Tela!
Lauf!Orva!

Die Wortstellung der feierlichen Rede

In feierlicher und poetischer Rede dürfen Verben der Annäherung, der Wahrnehmung und des inneren Erkennens vor dem Objekt stehen. Die Folge erinnert dann an Subjekt – Verb – Objekt. Das ist ein Stilmittel der gehobenen Rede, kein Mittel der Alltagssprache.

Das Verb „sein“ fehlt

In der Gegenwart gibt es kein Wort für „sein“. Der Satz nennt, wer oder wo oder wie etwas ist, und endet.

DeutschAldrín
Ich bin ein Kind.Ithe an Kynth.
Ich bin der Greif.Ithe thar Aegyr.
Der Greif ist alt.Thar Aegyr orlen.
Der Greif ist hier.Thar Aegyr sithu.
Wir sind hier.Ithevar sithu.
Der Greif ist in der Welt.Thar Aegyr ni thy Velornis.

Für „war“ und „wird sein“ gibt es zwei feste Formen, vyron und vaeron. Sie stehen am Satzende und gelten für alle Personen.

DeutschAldrín
Der Greif war hier.Thar Aegyr sithu vyron.
Der Greif wird hier sein.Thar Aegyr sithu vaeron.
Ich war ein Kind.Ithe an Kynth vyron.
Wir waren hier.Ithevar sithu vyron.
Der Greif war alt.Thar Aegyr orlen vyron.

2 Nomen und Mehrzahl

Die Artikel

Aldrín hat drei bestimmte Artikel, thar, thy und tha, und den unbestimmten Artikel an („ein, eine“). Welcher Artikel zu einem Wort gehört, lernst du mit dem Wort. Die Artikel ändern sich nicht nach der Rolle im Satz. thy steht für „die“ in der Einzahl und in der Mehrzahl.

DeutschAldrínDeutschAldrín
Der Greifthar AegyrDie Stimmethy Haleth
Der Windthar ThyrinDie Weltthy Velornis
Der Sternthar solúnDie Erinnerungthy minel
Der Traumthar aenraDie Uhrthy thonel
Das Kindtha KynthDas Meertha læthia
Das Herztha JærtaDas Lichttha lueth
Ein Greifan AegyrEin Sternan solún

Groß- oder Kleinschreibung steht im Wörterbuch; du schreibst das Wort so, wie es dort steht, am Satzanfang groß.

Die Mehrzahl

Die Mehrzahl entsteht mit der Endung -or. Wörter auf -a verlieren das a: aenra wird zu aenror, læthia zu læthior. Der Artikel der Mehrzahl ist thy. Bei manchen Wörtern steht statt -or die Endung -ar; die Form steht beim Wort im Wörterbuch.

EinzahlAldrínMehrzahlAldrín
Der Sternthar solúnDie Sternethy solúnor
Der Greifthar AegyrDie Greifenthy Aegyror
Der Schattenthar myrelDie Schattenthy myrelor
Das Lichttha luethDie Lichterthy luethor
Die Uhrthy thonelDie Uhrenthy thonelor
Der Traumthar aenraDie Träumethy aenror
Das Meertha læthiaDie Meerethy læthior
Das Kindtha KynthDie Kinderthy Kynthar

Das Verb ändert sich in der Mehrzahl nicht:

DeutschAldrín
Der Greif läuft.Thar Aegyr orva.
Die Greifen laufen.Thy Aegyror orva.

Die Zahlen

DeutschAldrínDeutschAldrín
zweiniosiebenmevan
dreiruviachtdulvi
vierkathuneunfothi
fünfrethizehnthosu
sechsmosuzwanzigniosu
hunderthovanzweitenioth

Die Zehner entstehen aus der Einerzahl und der Endung -su: nio (zwei), niosu (zwanzig). Die Ordnungszahl entsteht mit -th: nio wird zu nioth, „der zweite“.

3 Pronomen und Besitz

Die Personalpronomen

DeutschAldrínDeutschAldrín
ichithewirithevar
dukemihrkemar
er, sie, essesie (Mehrzahl)sevar

Das Pronomen ändert sich nicht, ob es Subjekt oder Objekt ist: „ich“ und „mich“ sind beide ithe, „du“ und „dich“ beide kem.

DeutschAldrín
Ich sehe dich.Ithe kem nirka.
Du rufst mich.Kem ithe halev.
Er schläft.Se lhevna.
Wir sehen den Greifen.Ithevar thar Aegyr nirka.
Ihr seht den Wind.Kemar thar Thyrin nirka.
Sie sehen den Wind.Sevar thar Thyrin nirka.

Das Besitzwort

Das Besitzwort entsteht aus dem Pronomen und der Endung -vo: ithe wird zu ithevo, „mein“. Es steht nach dem Nomen, und der Artikel entfällt.

DeutschAldrín
Das Kind schläft.Tha Kynth lhevna.
Mein Kind schläft.Kynth ithevo lhevna.
Dein Kind ruft.Kynth kemvo halev.
Sein Kind kommt.Kynth sevo dovna.
Unser Kind kommt.Kynth ithevarvo dovna.
Euer Greif kommt.Aegyr kemarvo dovna.
Meine Stimme ruft.Haleth ithevo halev.
Meine Greifen kommen.Aegyror ithevo dovna.

Die Formen: mein ithevo, dein kemvo, sein sevo, unser ithevarvo, euer kemarvo.

4 Verben und Zeiten

Eine Form für alle Personen

Das Verb hat eine einzige Form, gleich für ich, du, er, wir, ihr und sie; die Person zeigt das Pronomen. Die meisten Verben enden auf -a, einige nicht, zum Beispiel halev (rufen) und sker (erwecken).

DeutschAldrín
Ich komme.Ithe dovna.
Du kommst.Kem dovna.
Er kommt.Se dovna.
Wir kommen.Ithevar dovna.
Ihr kommt.Kemar dovna.

Häufige Verben

DeutschAldrínDeutschAldrín
sehennirkaschlafenlhevna
hörenlioralaufenorva
rufenhalevwartenbira
kommendovnaessenilma
zählentelasprechenthuma
findenthonahabenthilma
gebendilnahelfenkethna
DeutschAldrín
Ich habe einen Greifen.Ithe an Aegyr thilma.
Du hast ein Herz.Kem an Jærta thilma.
Der Greif hört den Wind.Thar Aegyr thar Thyrin liora.
Das Kind isst.Tha Kynth ilma.
Ich spreche.Ithe thuma.

Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft

Die Zeit zeigt eine Partikel, ein kleines Wort, das sich nie verändert. Die Vergangenheit entsteht mit der Partikel vy, die Zukunft mit vae; die Gegenwart hat keine Partikel. Beide stehen unmittelbar vor dem Verb; alles andere bleibt, wo es ist. Für „sein“ gelten vyron und vaeron (Kapitel 1).

DeutschAldrín
Der Wind kommt.Thar Thyrin dovna.
Der Wind kam.Thar Thyrin vy dovna.
Der Wind wird kommen.Thar Thyrin vae dovna.
Der Wind zog weiter.Thar Thyrin vy vena.
Ich kam.Ithe vy dovna.
Ich werde kommen.Ithe vae dovna.
Wir riefen den Greifen.Ithevar thar Aegyr vy halev.
Wir werden den Greifen rufen.Ithevar thar Aegyr vae halev.

Zeitangaben

Zeitangaben wie „jetzt“ oder „einst“ stehen vor dem Verb, bei Vergangenheit und Zukunft vor vy und vae.

DeutschAldrínDeutschAldrín
jetztlonuimmerbelthún
einsturianienathún
morgenmornelwiederthefa
DeutschAldrín
Jetzt kommt der Wind.Thar Thyrin lonu dovna.
Morgen kommt der Wind.Thar Thyrin mornel dovna.
Einst kam der Wind.Thar Thyrin uria vy dovna.
Der Wind kommt wieder.Thar Thyrin thefa dovna.
Der Greif schläft noch.Thar Aegyr sen lhevna.

5 Fragen, Verneinung, Nebensätze

Fragewörter

DeutschAldrínDeutschAldrín
werseowannkelu
washeduwieveh
wothelwarumtheko

wer und was stehen an der Stelle des Gefragten; wo, wann, wie und warum stehen am Satzanfang. Das Verb bleibt am Ende.

DeutschAldrín
Wer ruft den Greifen?Seo thar Aegyr halev?
Wer sieht den Wind?Seo thar Thyrin nirka?
Was ruft der Greif?Thar Aegyr hedu halev?
Wo ist der Greif?Thel thar Aegyr?
Wann kommt der Wind?Kelu thar Thyrin dovna?
Wie läuft der Greif?Veh thar Aegyr orva?
Warum läuft der Greif?Theko thar Aegyr orva?

Fragen mit Ja oder Nein

Eine Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet wird, hat die Wortfolge der Aussage. Das Fragezeichen macht den Unterschied.

DeutschAldrín
Kommt der Greif?Thar Aegyr dovna?
Kommst du?Kem dovna?
Ja.Oveth.

Verneinung

nor („nicht“) steht unmittelbar vor dem Wort, das verneint wird, beim Verb also davor. Mit vy und vae steht es vor diesen Wörtern.

DeutschAldrín
Der Greif schläft nicht.Thar Aegyr nor lhevna.
Der Wind kommt nicht.Thar Thyrin nor dovna.
Ich sehe den Greifen nicht.Ithe thar Aegyr nor nirka.
Der Greif kam nicht.Thar Aegyr nor vy dovna.
Der Greif wird nicht kommen.Thar Aegyr nor vae dovna.
Der Greif ist nicht alt.Thar Aegyr nor orlen.
Warum kommst du nicht?Theko kem nor dovna?

Wörter und Sätze verbinden

DeutschAldrín
Der Greif sieht den Wind und das Meer.Thar Aegyr thar Thyrin eo tha læthia nirka.
Der Greif oder der Wind kommt.Thar Aegyr ethu thar Thyrin dovna.
Das Kind schläft, aber der Greif wartet.Tha Kynth lhevna, kæ thar Aegyr bira.

„und“ heißt eo, „oder“ ethu, „aber“ kæ.

Nebensätze mit „wenn“

Der Wenn-Satz endet mit vai. Das Verb steht davor, vai schließt den Nebensatz ab, dann folgen ein Komma und der Hauptsatz.

DeutschAldrín
Wenn der Wind kommt, schläft der Greif.Thar Thyrin dovna vai, thar Aegyr lhevna.
Wenn ich komme, schläft der Greif.Ithe dovna vai, thar Aegyr lhevna.
Wenn der Greif schläft, kommt der Wind.Thar Aegyr lhevna vai, thar Thyrin dovna.
Wenn der Greif nicht schläft, kommt der Wind.Thar Aegyr nor lhevna vai, thar Thyrin dovna.

vai steht nur, wo der Satz wirklich „wenn“ meint, auch im zeitlichen Sinn. Die Frage „wann?“ stellt kelu. Im Hoch-Aldrín gehört vai zum festen Satzbau.

6 Wortbildung

Aldrín bildet Wörter aus Wurzeln und Endungen. Ähnlich klingende Wörter gehören nicht automatisch zur selben Familie; entscheidend ist die Bedeutung.

Wortfamilien

WurzelBedeutungWörter
tel-zählentela (zählen), telis (Zählung)
min-Erinnerungminel (Erinnerung), minli (vergessen)
lio-Klanglioma (Melodie), liora (hören)
mel-zwischenmelna (zwischen), melún (zwischen den Welten)
lu-Lichtlueth (Licht), lusin (erlöschen)

Die Endungen

EndungBedeutungBeispiel
-ahäufigste Endung der Verben; auch Nomen enden auf -a (aenra, læthia)tela (zählen), dovna (kommen)
-isAbstraktum oder Sammelbegriffaumis (Wunder), telis (Zählung)
-úndas Weite, Kreisende, Zeitlosesolún (Stern), orthún (endlos)
-or, -arMehrzahlsolún – solúnor, Kynth – Kynthar
-voBesitzwort, nach dem Nomenithevo (mein)
-suZehnernio – niosu (zwei – zwanzig)
-thOrdnungszahlnio – nioth (zwei – zweite)

Verben tragen kein -ún.

Der Laut lh

Der Laut lh steht in Wörtern für Ruhe, Schutz, Zuflucht, Schlaf und Heim: lhila (ruhen), lhevna (schlafen), lhirin (Zuflucht). Auch Gruß und Abschied tragen ihn: Lheni, Lhavo.

Der Apostroph

Manche Namen und einige zusammengesetzte Wörter enthalten einen Apostroph.

Gleichlautende Wörter

Eine Form kann mehrere Wörter bezeichnen. skårn ist ein Pronomen („andere“) und ein Nomen („Feste“); der Anfangsbuchstabe entscheidet nicht darüber, welches gemeint ist. Wortart, Satzbau und Zusammenhang zeigen es.

7 Hoch-Aldrín und Alltags-Aldrín

Aldrín hat zwei Register. Aussprache und Schrift sind in beiden dieselben; der Unterschied liegt in Wortwahl, Tonfall und einigen Satzmustern. Lumbrisch, aus dem das Alltags-Aldrín Wörter aufgenommen hat, ist die Handels- und Verwaltungssprache des Kontinents Thalvarin.

Hoch-AldrínAlltags-Aldrín
Gebrauchfeierliche Anlässe: Schwüre, Weissagungen, ZeremonienGespräch, Arbeit, Handel
Wortschatzvokalreiche, melodische Wurzelnlumbrische Lehnwörter
SatzbauWenn-Satz mit vai (Kapitel 5), Wortstellung der feierlichen Rede (Kapitel 1)Kapitel 1 bis 6 ohne Abweichung

Hoch-Aldrín spricht man mit ruhiger Satzmelodie. Harte, stark nordische Wörter gehören der Sprache der Nævir-Zeit, der älteren Vorstufe von Aldrín; das Hoch-Aldrín meidet sie. Namen und Titel wie Frøstfædrin, Vornis und Thorvæk behalten ihre Gestalt.

8 Feste Wendungen

Die Losung

Sen aumis? – Sen aumis.

Wörtlich: „Noch Wunder?“ – „Noch Wunder.“ sen ist „noch“, aumis „Wunder“. Die Wortfolge gehört zur Wendung.

Gruß, Dank, Zustimmung

DeutschAldrín
Hallo.Lheni.
Leb wohl.Lhavo.
Danke.Dathi.
Bitte.Mavo.
Ja.Oveth.
Nein.Nor.