# Grammatik – Aldrín

## 1 Satzbau

Aldrín stellt das Verb ans Ende des Satzes. Die Reihenfolge lautet Subjekt – Objekt – Verb: Wer „Der Greif sieht den Wind“ sagen will, sagt gewissermaßen „Der Greif den Wind sieht“.

### Der Aussagesatz

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Der Greif schläft. | **Thar Aegyr lhevna.** |
| Der Wind kommt. | **Thar Thyrin dovna.** |
| Der Greif sieht den Wind. | **Thar Aegyr thar Thyrin nirka.** |
| Der Wind sieht den Greifen. | **Thar Thyrin thar Aegyr nirka.** |
| Das Kind ruft den Greifen. | **Tha Kynth thar Aegyr halev.** |

Der Artikel bleibt gleich, ob ein Wort Subjekt oder Objekt ist. Die Reihenfolge zeigt, wer wen sieht: Wer zuerst steht, handelt.

### Präpositionen

Präpositionen stehen vor dem Nomen und damit weit vor dem Verb.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Der Greif läuft über das Meer. | **Thar Aegyr kerún tha læthia orva.** |
| Der Greif wartet mit dem Kind. | **Thar Aegyr mae tha Kynth bira.** |
| Das Kind schläft ohne den Greifen. | **Tha Kynth nomae thar Aegyr lhevna.** |
| Das Kind läuft in die Welt. | **Tha Kynth ni thy Velornis orva.** |
| Der Greif ruht auf dem Meer. | **Thar Aegyr thuvi tha læthia lhila.** |
| Der Wind kommt von dem Meer. | **Thar Thyrin thron tha læthia dovna.** |

### Der Befehl

Im Befehl steht das Verb vorn, und das Subjekt fällt weg. Das Verb hat keine eigene Befehlsform: Es rückt selbst an den Anfang.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Sieh den Wind! | **Nirka thar Thyrin!** |
| Ruf den Greifen! | **Halev thar Aegyr!** |
| Erweck sie! | **Sker se!** |
| Steh auf! | **Raela!** |
| Warte! | **Bira!** |
| Zähl! | **Tela!** |
| Lauf! | **Orva!** |

### Die Wortstellung der feierlichen Rede

In feierlicher und poetischer Rede dürfen Verben der Annäherung, der Wahrnehmung und des inneren Erkennens vor dem Objekt stehen. Die Folge erinnert dann an Subjekt – Verb – Objekt. Das ist ein Stilmittel der gehobenen Rede, kein Mittel der Alltagssprache.

### Das Verb „sein“ fehlt

In der Gegenwart gibt es kein Wort für „sein“. Der Satz nennt, wer oder wo oder wie etwas ist, und endet.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Ich bin ein Kind. | **Ithe an Kynth.** |
| Ich bin der Greif. | **Ithe thar Aegyr.** |
| Der Greif ist alt. | **Thar Aegyr orlen.** |
| Der Greif ist hier. | **Thar Aegyr sithu.** |
| Wir sind hier. | **Ithevar sithu.** |
| Der Greif ist in der Welt. | **Thar Aegyr ni thy Velornis.** |

Für „war“ und „wird sein“ gibt es zwei feste Formen, **vyron** und **vaeron**. Sie stehen am Satzende und gelten für alle Personen.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Der Greif war hier. | **Thar Aegyr sithu vyron.** |
| Der Greif wird hier sein. | **Thar Aegyr sithu vaeron.** |
| Ich war ein Kind. | **Ithe an Kynth vyron.** |
| Wir waren hier. | **Ithevar sithu vyron.** |
| Der Greif war alt. | **Thar Aegyr orlen vyron.** |

## 2 Nomen und Mehrzahl

### Die Artikel

Aldrín hat drei bestimmte Artikel, **thar**, **thy** und **tha**, und den unbestimmten Artikel **an** („ein, eine“). Welcher Artikel zu einem Wort gehört, lernst du mit dem Wort. Die Artikel ändern sich nicht nach der Rolle im Satz. **thy** steht für „die“ in der Einzahl und in der Mehrzahl.

| Deutsch | Aldrín | Deutsch | Aldrín |
|---|---|---|---|
| Der Greif | **thar Aegyr** | Die Stimme | **thy Haleth** |
| Der Wind | **thar Thyrin** | Die Welt | **thy Velornis** |
| Der Stern | **thar solún** | Die Erinnerung | **thy minel** |
| Der Traum | **thar aenra** | Die Uhr | **thy thonel** |
| Das Kind | **tha Kynth** | Das Meer | **tha læthia** |
| Das Herz | **tha Jærta** | Das Licht | **tha lueth** |
| Ein Greif | **an Aegyr** | Ein Stern | **an solún** |

Groß- oder Kleinschreibung steht im Wörterbuch; du schreibst das Wort so, wie es dort steht, am Satzanfang groß.

### Die Mehrzahl

Die Mehrzahl entsteht mit der Endung **-or**. Wörter auf **-a** verlieren das **a**: **aenra** wird zu **aenror**, **læthia** zu **læthior**. Der Artikel der Mehrzahl ist **thy**. Bei manchen Wörtern steht statt **-or** die Endung **-ar**; die Form steht beim Wort im Wörterbuch.

| Einzahl | Aldrín | Mehrzahl | Aldrín |
|---|---|---|---|
| Der Stern | **thar solún** | Die Sterne | **thy solúnor** |
| Der Greif | **thar Aegyr** | Die Greifen | **thy Aegyror** |
| Der Schatten | **thar myrel** | Die Schatten | **thy myrelor** |
| Das Licht | **tha lueth** | Die Lichter | **thy luethor** |
| Die Uhr | **thy thonel** | Die Uhren | **thy thonelor** |
| Der Traum | **thar aenra** | Die Träume | **thy aenror** |
| Das Meer | **tha læthia** | Die Meere | **thy læthior** |
| Das Kind | **tha Kynth** | Die Kinder | **thy Kynthar** |

Das Verb ändert sich in der Mehrzahl nicht:

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Der Greif läuft. | **Thar Aegyr orva.** |
| Die Greifen laufen. | **Thy Aegyror orva.** |

### Die Zahlen

| Deutsch | Aldrín | Deutsch | Aldrín |
|---|---|---|---|
| zwei | **nio** | sieben | **mevan** |
| drei | **ruvi** | acht | **dulvi** |
| vier | **kathu** | neun | **fothi** |
| fünf | **rethi** | zehn | **thosu** |
| sechs | **mosu** | zwanzig | **niosu** |
| hundert | **hovan** | zweite | **nioth** |

Die Zehner entstehen aus der Einerzahl und der Endung **-su**: **nio** (zwei), **niosu** (zwanzig). Die Ordnungszahl entsteht mit **-th**: **nio** wird zu **nioth**, „der zweite“.

## 3 Pronomen und Besitz

### Die Personalpronomen

| Deutsch | Aldrín | Deutsch | Aldrín |
|---|---|---|---|
| ich | **ithe** | wir | **ithevar** |
| du | **kem** | ihr | **kemar** |
| er, sie, es | **se** | sie (Mehrzahl) | **sevar** |

Das Pronomen ändert sich nicht, ob es Subjekt oder Objekt ist: „ich“ und „mich“ sind beide **ithe**, „du“ und „dich“ beide **kem**.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Ich sehe dich. | **Ithe kem nirka.** |
| Du rufst mich. | **Kem ithe halev.** |
| Er schläft. | **Se lhevna.** |
| Wir sehen den Greifen. | **Ithevar thar Aegyr nirka.** |
| Ihr seht den Wind. | **Kemar thar Thyrin nirka.** |
| Sie sehen den Wind. | **Sevar thar Thyrin nirka.** |

### Das Besitzwort

Das Besitzwort entsteht aus dem Pronomen und der Endung **-vo**: **ithe** wird zu **ithevo**, „mein“. Es steht nach dem Nomen, und der Artikel entfällt.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Das Kind schläft. | **Tha Kynth lhevna.** |
| Mein Kind schläft. | **Kynth ithevo lhevna.** |
| Dein Kind ruft. | **Kynth kemvo halev.** |
| Sein Kind kommt. | **Kynth sevo dovna.** |
| Unser Kind kommt. | **Kynth ithevarvo dovna.** |
| Euer Greif kommt. | **Aegyr kemarvo dovna.** |
| Meine Stimme ruft. | **Haleth ithevo halev.** |
| Meine Greifen kommen. | **Aegyror ithevo dovna.** |

Die Formen: mein **ithevo**, dein **kemvo**, sein **sevo**, unser **ithevarvo**, euer **kemarvo**.

## 4 Verben und Zeiten

### Eine Form für alle Personen

Das Verb hat eine einzige Form, gleich für ich, du, er, wir, ihr und sie; die Person zeigt das Pronomen. Die meisten Verben enden auf **-a**, einige nicht, zum Beispiel **halev** (rufen) und **sker** (erwecken).

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Ich komme. | **Ithe dovna.** |
| Du kommst. | **Kem dovna.** |
| Er kommt. | **Se dovna.** |
| Wir kommen. | **Ithevar dovna.** |
| Ihr kommt. | **Kemar dovna.** |

### Häufige Verben

| Deutsch | Aldrín | Deutsch | Aldrín |
|---|---|---|---|
| sehen | **nirka** | schlafen | **lhevna** |
| hören | **liora** | laufen | **orva** |
| rufen | **halev** | warten | **bira** |
| kommen | **dovna** | essen | **ilma** |
| zählen | **tela** | sprechen | **thuma** |
| finden | **thona** | haben | **thilma** |
| geben | **dilna** | helfen | **kethna** |

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Ich habe einen Greifen. | **Ithe an Aegyr thilma.** |
| Du hast ein Herz. | **Kem an Jærta thilma.** |
| Der Greif hört den Wind. | **Thar Aegyr thar Thyrin liora.** |
| Das Kind isst. | **Tha Kynth ilma.** |
| Ich spreche. | **Ithe thuma.** |

### Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft

Die Zeit zeigt eine Partikel, ein kleines Wort, das sich nie verändert. Die Vergangenheit entsteht mit der Partikel **vy**, die Zukunft mit **vae**; die Gegenwart hat keine Partikel. Beide stehen unmittelbar vor dem Verb; alles andere bleibt, wo es ist. Für „sein“ gelten **vyron** und **vaeron** (Kapitel 1).

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Der Wind kommt. | **Thar Thyrin dovna.** |
| Der Wind kam. | **Thar Thyrin vy dovna.** |
| Der Wind wird kommen. | **Thar Thyrin vae dovna.** |
| Der Wind zog weiter. | **Thar Thyrin vy vena.** |
| Ich kam. | **Ithe vy dovna.** |
| Ich werde kommen. | **Ithe vae dovna.** |
| Wir riefen den Greifen. | **Ithevar thar Aegyr vy halev.** |
| Wir werden den Greifen rufen. | **Ithevar thar Aegyr vae halev.** |

### Zeitangaben

Zeitangaben wie „jetzt“ oder „einst“ stehen vor dem Verb, bei Vergangenheit und Zukunft vor **vy** und **vae**.

| Deutsch | Aldrín | Deutsch | Aldrín |
|---|---|---|---|
| jetzt | **lonu** | immer | **belthún** |
| einst | **uria** | nie | **nathún** |
| morgen | **mornel** | wieder | **thefa** |

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Jetzt kommt der Wind. | **Thar Thyrin lonu dovna.** |
| Morgen kommt der Wind. | **Thar Thyrin mornel dovna.** |
| Einst kam der Wind. | **Thar Thyrin uria vy dovna.** |
| Der Wind kommt wieder. | **Thar Thyrin thefa dovna.** |
| Der Greif schläft noch. | **Thar Aegyr sen lhevna.** |

## 5 Fragen, Verneinung, Nebensätze

### Fragewörter

| Deutsch | Aldrín | Deutsch | Aldrín |
|---|---|---|---|
| wer | **seo** | wann | **kelu** |
| was | **hedu** | wie | **veh** |
| wo | **thel** | warum | **theko** |

**wer** und **was** stehen an der Stelle des Gefragten; **wo**, **wann**, **wie** und **warum** stehen am Satzanfang. Das Verb bleibt am Ende.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Wer ruft den Greifen? | **Seo thar Aegyr halev?** |
| Wer sieht den Wind? | **Seo thar Thyrin nirka?** |
| Was ruft der Greif? | **Thar Aegyr hedu halev?** |
| Wo ist der Greif? | **Thel thar Aegyr?** |
| Wann kommt der Wind? | **Kelu thar Thyrin dovna?** |
| Wie läuft der Greif? | **Veh thar Aegyr orva?** |
| Warum läuft der Greif? | **Theko thar Aegyr orva?** |

### Fragen mit Ja oder Nein

Eine Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet wird, hat die Wortfolge der Aussage. Das Fragezeichen macht den Unterschied.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Kommt der Greif? | **Thar Aegyr dovna?** |
| Kommst du? | **Kem dovna?** |
| Ja. | **Oveth.** |

### Verneinung

**nor** („nicht“) steht unmittelbar vor dem Wort, das verneint wird, beim Verb also davor. Mit **vy** und **vae** steht es vor diesen Wörtern.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Der Greif schläft nicht. | **Thar Aegyr nor lhevna.** |
| Der Wind kommt nicht. | **Thar Thyrin nor dovna.** |
| Ich sehe den Greifen nicht. | **Ithe thar Aegyr nor nirka.** |
| Der Greif kam nicht. | **Thar Aegyr nor vy dovna.** |
| Der Greif wird nicht kommen. | **Thar Aegyr nor vae dovna.** |
| Der Greif ist nicht alt. | **Thar Aegyr nor orlen.** |
| Warum kommst du nicht? | **Theko kem nor dovna?** |

### Wörter und Sätze verbinden

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Der Greif sieht den Wind und das Meer. | **Thar Aegyr thar Thyrin eo tha læthia nirka.** |
| Der Greif oder der Wind kommt. | **Thar Aegyr ethu thar Thyrin dovna.** |
| Das Kind schläft, aber der Greif wartet. | **Tha Kynth lhevna, kæ thar Aegyr bira.** |

„und“ heißt **eo**, „oder“ **ethu**, „aber“ **kæ**.

### Nebensätze mit „wenn“

Der Wenn-Satz endet mit **vai**. Das Verb steht davor, **vai** schließt den Nebensatz ab, dann folgen ein Komma und der Hauptsatz.

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Wenn der Wind kommt, schläft der Greif. | **Thar Thyrin dovna vai, thar Aegyr lhevna.** |
| Wenn ich komme, schläft der Greif. | **Ithe dovna vai, thar Aegyr lhevna.** |
| Wenn der Greif schläft, kommt der Wind. | **Thar Aegyr lhevna vai, thar Thyrin dovna.** |
| Wenn der Greif nicht schläft, kommt der Wind. | **Thar Aegyr nor lhevna vai, thar Thyrin dovna.** |

**vai** steht nur, wo der Satz wirklich „wenn“ meint, auch im zeitlichen Sinn. Die Frage „wann?“ stellt **kelu**. Im Hoch-Aldrín gehört **vai** zum festen Satzbau.

## 6 Wortbildung

Aldrín bildet Wörter aus Wurzeln und Endungen. Ähnlich klingende Wörter gehören nicht automatisch zur selben Familie; entscheidend ist die Bedeutung.

### Wortfamilien

| Wurzel | Bedeutung | Wörter |
|---|---|---|
| tel- | zählen | **tela** (zählen), **telis** (Zählung) |
| min- | Erinnerung | **minel** (Erinnerung), **minli** (vergessen) |
| lio- | Klang | **lioma** (Melodie), **liora** (hören) |
| mel- | zwischen | **melna** (zwischen), **melún** (zwischen den Welten) |
| lu- | Licht | **lueth** (Licht), **lusin** (erlöschen) |

### Die Endungen

| Endung | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| **-a** | häufigste Endung der Verben; auch Nomen enden auf -a (**aenra**, **læthia**) | **tela** (zählen), **dovna** (kommen) |
| **-is** | Abstraktum oder Sammelbegriff | **aumis** (Wunder), **telis** (Zählung) |
| **-ún** | das Weite, Kreisende, Zeitlose | **solún** (Stern), **orthún** (endlos) |
| **-or**, **-ar** | Mehrzahl | **solún – solúnor**, **Kynth – Kynthar** |
| **-vo** | Besitzwort, nach dem Nomen | **ithevo** (mein) |
| **-su** | Zehner | **nio – niosu** (zwei – zwanzig) |
| **-th** | Ordnungszahl | **nio – nioth** (zwei – zweite) |

Verben tragen kein **-ún**.

### Der Laut lh

Der Laut **lh** steht in Wörtern für Ruhe, Schutz, Zuflucht, Schlaf und Heim: **lhila** (ruhen), **lhevna** (schlafen), **lhirin** (Zuflucht). Auch Gruß und Abschied tragen ihn: **Lheni**, **Lhavo**.

### Der Apostroph

Manche Namen und einige zusammengesetzte Wörter enthalten einen Apostroph.

### Gleichlautende Wörter

Eine Form kann mehrere Wörter bezeichnen. **skårn** ist ein Pronomen („andere“) und ein Nomen („Feste“); der Anfangsbuchstabe entscheidet nicht darüber, welches gemeint ist. Wortart, Satzbau und Zusammenhang zeigen es.

## 7 Hoch-Aldrín und Alltags-Aldrín

Aldrín hat zwei Register. Aussprache und Schrift sind in beiden dieselben; der Unterschied liegt in Wortwahl, Tonfall und einigen Satzmustern. Lumbrisch, aus dem das Alltags-Aldrín Wörter aufgenommen hat, ist die Handels- und Verwaltungssprache des Kontinents Thalvarin.

| | Hoch-Aldrín | Alltags-Aldrín |
|---|---|---|
| Gebrauch | feierliche Anlässe: Schwüre, Weissagungen, Zeremonien | Gespräch, Arbeit, Handel |
| Wortschatz | vokalreiche, melodische Wurzeln | lumbrische Lehnwörter |
| Satzbau | Wenn-Satz mit **vai** (Kapitel 5), Wortstellung der feierlichen Rede (Kapitel 1) | Kapitel 1 bis 6 ohne Abweichung |

Hoch-Aldrín spricht man mit ruhiger Satzmelodie. Harte, stark nordische Wörter gehören der Sprache der Nævir-Zeit, der älteren Vorstufe von Aldrín; das Hoch-Aldrín meidet sie. Namen und Titel wie **Frøstfædrin**, **Vornis** und **Thorvæk** behalten ihre Gestalt.

## 8 Feste Wendungen

### Die Losung

**Sen aumis?** – **Sen aumis.**

Wörtlich: „Noch Wunder?“ – „Noch Wunder.“ **sen** ist „noch“, **aumis** „Wunder“. Die Wortfolge gehört zur Wendung.

### Gruß, Dank, Zustimmung

| Deutsch | Aldrín |
|---|---|
| Hallo. | **Lheni.** |
| Leb wohl. | **Lhavo.** |
| Danke. | **Dathi.** |
| Bitte. | **Mavo.** |
| Ja. | **Oveth.** |
| Nein. | **Nor.** |

## Wortstellung

Die Grundstellung in Aldrín ist Subjekt – Objekt – Verb (SOV): Das Verb steht am Satzende.

Im Befehl (Imperativ) steht das Verb dagegen am Satzanfang. In poetischer und feierlicher Rede können Verben der gerichteten Annäherung, der Wahrnehmung und des inneren Erkennens dem Objekt vorangehen, die Stellung ähnelt dann dem Muster Subjekt – Verb – Objekt. Diese Abweichung gehört dem gehobenen Stil an und ist kein frei verfügbares Mittel der Alltagssprache.

## Dauerform auf -enir

Die Dauerform wird mit dem Suffix -enir am Verb gebildet. Als feste Wendung der poetisch-rituellen Rede steht sie in der Reihenfolge Subjekt, Verb mit -enir, thronir, Zahl, Jolth, mæth; Orts- und Zeitangaben unterbrechen diese Kernfolge nicht. Als allgemeine Verbform der Alltagssprache ist die Dauerform bisher nicht beschrieben.

## Nebensätze mit vai

In Bedingungs- und Zeitsätzen steht vai („wenn“, „wann“) am Ende des Nebensatzes. Besonders im Hoch-Aldrín, der gehobenen, poetischen und feierlichen Rede, gehört vai zum festen Satzbau. Verwendet wird es nur dort, wo der Satz tatsächlich eine Wenn- oder Wann-Beziehung ausdrückt.

## Die Schriften Nævir und Aldrín

Aldrín ist der Name der Sprache und zugleich ihrer heutigen Schrift. Die aldrísche Schrift ist weich, verbunden und geschrieben: Knochen und Bogen, von oben hängend, mit Dick-Dünn-Kontrast.

Nævir ist die ältere Schrift: geritzte Runen, kantig und heilig, gemacht für Stein, Holz und Klinge. Sie kennt nur Senkrechte und Diagonalen, ihre Zeichen sind unverbunden und von gleichbleibender Strichstärke; sie ist keine Eins-zu-eins-Entsprechung des Futhark.

Merksatz: Nævir wurde geritzt. Aldrín wurde geschrieben.

Der Akut ist in Aldrín kein Zierzeichen: Er steht nur in Eigennamen und in der Endung -ún und bedeutet Länge.

## Geschichte

Aldrín ging aus einer altnordischen Seefahrersprache hervor, deren Sprecher über eine Passage in die Zwischenwelt gelangten. Über lange Zeiträume vermischte sich diese Grundschicht mit den Völkern, Riten und magischen Sprachen Aldrímars. So entstand die weiche, melodische und hochsprachliche Sprache der Greifenreiter.

Ihre harte, altnordisch klingende Vorstufe heißt „die Sprache der Nævir-Zeit“; der Ausdruck ist kein Eigenname. Sie lebt nicht als zweite Sprache fort, sondern ist nur noch in der Lautgeschichte, in alten Liedern, Eiden, Namen und in Resten bei den Thorvæk zu erkennen. Formen, die altnordischen Wörtern ähneln, können daher Vorläufer oder Lehnformen sein.

## Vokale

Aldrín hat die Kernvokale a, e, i, o, u, æ, ø und y. Sie werden klar und offen gesprochen; der Klang ist weich und melodisch.

- y ist ein kurzes i, nie ü.
- ø wird wie deutsches ö gesprochen.
- æ und ø sind selten.

Akzente sind ebenfalls selten. Der Akut (á é í ó ú ý ǽ) steht nur in Eigennamen (Personen, Orte, Völker, Sprachen) und in der Endung -ún, die einer Wortgruppe Bedeutung gibt (solún, tholún, orthún, melún, thevún, lún). Wo er steht, bedeutet er Länge. In allen anderen Wörtern entfällt er: ǽ wird æ, í und ý werden i und y, ú wird u, ó wird o, é wird e, á wird a.

## Silbenbau

Aldrín bevorzugt gut sprech- und singbare Silben mit vielen Liquiden und Nasalen (l, r, n, m). th und lh zählen jeweils als ein Laut. Die Kernwörter folgen überwiegend einfachen Mustern wie CV, CVC oder CV.CV.

Unsprechbare Lautfolgen werden vermieden: ðr, kn-, hv-, -yja und gestapelte Konsonantencluster kommen im heutigen Aldrín nicht vor. Härte wird durch einen eingeschobenen Vokal (o oder e) oder durch Wegfall gelöst, nicht durch elbisch klingende Vokale. Harte Konsonantenhäufungen gehören der Sprache der Nævir-Zeit an, also alten Liedern, Eiden und Namen.

## Betonung

Die Betonung liegt in der Regel auf der vorletzten Silbe. Abweichen können Wörter mit langem Vokal (nur in Namen und in der Endung -ún mit Akut geschrieben), feststehende Namen und Formeln. Maßgeblich ist, wo vorhanden, die angegebene Aussprache des einzelnen Wortes.

## Endungen und Wortfamilien

Aldrín bildet Wörter aus Wurzeln. Verwandte Wörter teilen eine Wurzel, nicht jede ähnlich klingende Form gehört aber zur selben Familie.

**Wurzeln:**

- varth-/var-: Gewahrsein, inneres Als-wahr-Erkennen
- vorn-: Schwärze (nur in Vornis; „Schatten“ wird nicht daraus gebildet)
- sylv-: Traum, Tiefe (Sylvith: der Fluch, in Träumen zu wandern)
- skårn-: Grenze, Zwischenraum, das Andere
- thyr-: Wind, Bewegung, Wahrnehmung
- lu-: Licht (lueth, luethor, lusin); Wunder und Staunen (aumis, auma) gehören nicht dazu
- min-: Erinnerung (minel, minli)
- lio-: Klang (lioma, liora)
- ven-: Bewegung (vena)
- mel-: zwischen (melna, melún)
- tel-: zählen (tela, telis)
- morn-: Morgen (mornel)

**Endungen:**

- Verben enden auf -a (raela, ilma, tela, løtha, orva, molva, ervia) und tragen kein -ún.
- -ún bezeichnet das Weite, Kreisende, Zeitlose (solún, tholún, orthún, melún, thevún, lún).
- -is bildet Abstrakta und Sammelbegriffe (Varthis, Kynthis, telis, aumis).
- -ith bezeichnet einen Zustand oder eine Eigenschaft.
- -or und -ar bilden den Plural, je nach Wortklasse.

**Besonderheiten:**

- lh steht nur in Wörtern der Geborgenheit: Ruhe, Schutz, Zuflucht, Schlaf, Heim (lhirin, lhila).
- Der Apostroph steht nur in alten Namen und Zusammensetzungen aus der Nævir-Zeit, aus Bestimmungswort und Kern (Vornis’vælor). Im heutigen Aldrín gibt es ihn nicht.

## Laute und Umschrift

**Vokale:** a, e, i, o, u, æ wie in der Umschrift /a e i o u æ/; y ist kurzes /i/, nie ü; ø klingt wie deutsches ö. Mit Akut sind die Vokale lang: í und ý /iː/, ú /uː/, ǽ /æː/.

**Konsonanten:** b, d, f, g, k, l, m, n, p, s, t, w, j und h werden wie im Deutschen gelesen. v klingt wie deutsches w. r ist ein weiches Zungenschlag-r /ɾ/. th steht für /θ/, sk für /sk/, ng für /ŋ/, lh für ein gehauchtes l. ð steht nur in alten, heiligen Namen (Veyshaðora).

Dies ist die Grundzuordnung der Leseschrift; die Angabe im einzelnen Wort hat Vorrang.

## Gleichlautende Wörter: skårn

Die Form skårn hat mehrere Bedeutungen, je nach Wortart und Zusammenhang: als Pronomen „andere“ oder „das Andere“, als Substantiv „Feste“ oder „Grenzort“. Die Großschreibung ist nur eine Lesehilfe und entscheidet die Bedeutung nicht; sie ergibt sich aus Wortart, Satzbau und Zusammenhang.

## Zukunft, Vergangenheit und „sein“

**Futur:** vae („wird“) steht vor dem Verb.

**Vergangenheit:** vy steht vor dem Verb und ist das Gegenstück zu vae.

**„sein“:** In der Gegenwart hat „sein“ kein eigenes Wort; der Satz kommt ohne Verb aus (Nullkopula). Für „war“ und „wird sein“ gibt es die festen Formen vyron und vaeron.

**„wenn“, „wann“:** siehe „Nebensätze mit vai“.

## Hoch-Aldrín

Hoch-Aldrín ist das Register der feierlichen, heiligen Rede, etwa in Weissagungen und Ritualen. Es bevorzugt vokalreiche, melodische Wurzeln und ruhige Satzmelodien. Harter, stark nordischer Wortschatz bleibt der Sprache der Nævir-Zeit vorbehalten (alte Lieder, Eide, Namen); Namen wie Vornis, Frøstfædrin, Thorvæk und Varth bleiben unverändert erhalten.

Hoch-Aldrín und das Alltags- und Handels-Aldrín sind eine Sprache in zwei Registern. Schrift und gesprochene Form folgen demselben Sprachsystem; eine eigene Bühnenaussprache gibt es nicht.

## Sprachen in Aldrímar

In Aldrímar werden mehrere Sprachen und Sprachschichten unterschieden:

- **Aldrín**, eine Sprache in zwei Registern: Hoch-Aldrín (sakral und poetisch, Aethrandor) und Alltags- und Handels-Aldrín (Frøsthaven, Skywharf, Schiffe).
- **Lumbrisch**, die westgermanisch geprägte Handels-, Verwaltungs- und Hauptsprache Thalvarins.
- Die **Fyrstvǽsen-Sprache**, eine eigene, ältere Zunge, deutlich verschieden von Aldrín und ohne irdische Verwandtschaft.
- **Spezialregister** wie Nebelzunge, Kristallsprache, Traumsprache, Industriejargon und Echo-Kommunikation.

Die harte, altnordisch klingende Schicht ist nur die Vorstufe von Aldrín („die Sprache der Nævir-Zeit“) und keine zweite lebende Sprache. Eine gemeinsame Verkehrssprache (lingua franca) gibt es nicht.

## Schriftsysteme in Aldrímar

In Aldrímar sind mehrere Schriftsysteme in Gebrauch:

- **Nævir**, die alte, geritzte Runenschrift, und **Aldrín**, die heutige, geschriebene Schrift derselben Sprache.
- Das **Lumbrische Alphabet** für effizientes Schreiben und Druck.
- Die **Uhrmacher-Notation** der Tímalithen, eine technische Symbolsprache für Mechanik und Zeit.
- **Grafische Echosignaturen** in Thalvarin.

## Aldrín und die Sprache der Nævir-Zeit

Es gibt eine lebende Sprache: Aldrín. Sie dient für Runen, Rituale, Weissagungen und hochpoetische Rede (Hoch-Aldrín) ebenso wie für Alltag und Handel (Alltags- und Handels-Aldrín). Das sind Register, keine zwei Sprachen.

Die harte, altnordisch klingende Schicht ist die geschichtliche Vorstufe, „die Sprache der Nævir-Zeit“ (kein Eigenname). Sie lebt nicht als zweite Sprache neben Aldrín fort und ist nur noch in der Lautgeschichte, in alten Liedern, Eiden, Namen und Thorvæk-Resten sichtbar. Eine gemeinsame Verkehrssprache neben Aldrín gibt es nicht; Lumbrisch ist eine eigene Fremdsprache.

## Register

Aldrín kennt zwei Register.

**Hoch-Aldrín** (Weissagungen, Brimroth, heilige Rede) ist die sakrale, hochsprachliche Zunge der Thorvæk und Greifenreiter: weich, melodisch, rituell.

**Alltags- und Handels-Aldrín** (Frøsthaven, Skywharf, Schiffe) ist die über lange Zeit gewachsene Alltagsform derselben Sprache. Sie ist keine erkennbare Mischung aus Englisch, Latein und Altnordisch.

Die älteren Thorvæk bewahren Reste der Nævir-Zeit in Liedern, Eiden, Namen und festen Wendungen, sprechen aber kein geschichtliches Altnordisch. Aldrín wird in aldrísche Schrift geschrieben.

## Benennungen

**Aldrín** ist der Name der Sprache und ihrer heutigen Schrift. Im Satz steht er ohne Artikel („Er spricht Aldrín“, „auf Aldrín“, „in Aldrín“). Das Adjektiv lautet **aldrísch** (aldrísche Schrift, aldríscher Ausdruck, aldrísches Wort).

**Hoch-Aldrín** bezeichnet das feierliche Register. **Nævir** ist die alte Schrift. Die geschichtliche Vorstufe heißt **die Sprache der Nævir-Zeit** und ist kein Eigenname. **Lumbrisch** ist eine eigene Fremdsprache.

## Gestaltung der aldríschen Schrift

Die aldrísche Schrift kann typografisch oder kalligrafisch hervorgehoben werden, auch in zeremonieller Schreibung; ein bestimmter Schriftstil wie Fettdruck ist nicht vorgeschrieben. Der Akut ist kein Zierzeichen: Er steht nur in Eigennamen und in der Endung -ún und bedeutet Länge.

## Plural

Substantive bilden den Plural auf -or, je nach Wortklasse auch auf -ar. Die genaue Form steht beim jeweiligen Wort. Stern heißt solún, Plural solúnor; Kreis heißt tholún, Plural tholúnor.
